FAMAKunststiftung förderte Arbeit am Bestandskatalog Flämischer Malerei in der Dresdener Gemäldegalerie Alte Meister
Die Förderung der FAMAKunststiftung bewirkte, dass die systematische Aufarbeitung des Bestandes von ca. 380 Werken der Flämischen Schule in der Dresdener Gemäldegalerie Alte Meister erfolgreich anlaufen konnte. Zum Projekt erläutert die Oberkonservatorin der Gemäldegalerie, Dr. Uta Neidhardt: „Das Ziel des im Frühjahr 2011 begonnen Projektes ist es, den Bestand in einem wissenschaftlichen Gesamtkatalog zu publizieren. Die große Zahl der zu untersuchenden Gemälde wurde in Gruppen eingeteilt, deren Bearbeitung jeweils eine geschlossene Arbeitsetappe bildet. Wir begannen das Projekt mit der Untersuchung einer Gruppe von 70 frühen Landschaftsgemälden, unter denen hervorragende Werke von Herri met de Bles, Gillis van Coninxloo, Roelant Savery, David Vinckboons, Jan Brueghel dem Älteren und Joos de Momper sind. Viele dieser Werke waren in Dresden jahrzehntelang nicht ausgestellt, ihre umfassende Untersuchung und wissenschaftliche Bearbeitung gleicht einer Wiederentdeckung dieser hervorragenden Bilder. Mittlerweile sind alle 70 Gemälde dieser Gruppe in technologischer Hinsicht und unter Einsatz strahlendiagnostischer Methoden und mikroskopischer Untersuchungen umfassend aufgenommen. Parallel dazu erfolgte und erfolgt die kunsthistorische Einordnung der Werke auf der Grundlage einer umfassenden Literaturrecherche und weitergehender theoretischer Untersuchungen. Dieser Teil der Arbeit wird, ergänzt durch noch ausstehende Recherchen im Rijksbureau voor Kunsthistorische Documentatie in Den Haag und weitere Archivstudien, bis März des kommenden Jahres abgeschlossen werden. Zudem konnte parallel zu den genannten Untersuchungen bereits ein Gemälde dieser Gruppe, „Belagerung einer Festung“ von einem Künstler aus der Umgebung Pieter Schoubroecks restauriert werden. Weitere Restaurierungen sollen folgen – insbesondere zur Vorbereitung auf die zum Projektabschluss geplante Sonderausstellung ,Frühe Flämische Landschaftsmalerei und -zeichenkunst in Dresden’.“  Gillis van Coninxloo (II) Landschaft mit dem Urteil des Midas. 1588 Eichenholz, 120 x 204 cm Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Gemäldegalerie Alte Meister, Gal.-Nr. 857 (Foto: SKD, Klut/Estel)
 Joos de Momper (II) Berglandschaft mit geknickten Tannenstämmen im Strom. Um 1600 Eichenholz, 53 x 71,5 cm Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Gemäldegalerie Alte Meister, Gal.-Nr. 870 (Foto: SKD, Klut/Estel)
 Jan Brueghel (I) Landschaft mit dem Rohrdommeljäger. 1605 Eichenholz, 41,5 x 71 cm Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Gemäldegalerie Alte Meister, Gal.-Nr. 881 (Foto: SKD, Klut/Estel)
Programm „Art residence Ahrenshoop“
Gudrun von Maltzan beendete am 31. August 2011 ihren Aufenthalt als Ehrengast der FAMAKunststiftung, der Stiftung Kunstmuseum Ahrenshoop und des Künstlerhaus Ahrenshoop e. V. im Künstlerhaus Lukas. Die während des Aufenthaltes entstandenen Zeichnungen sind vom 18. Februar 2012 an in einer Ausstellung, die die drei Partner des Programms gemeinsam ausrichten, im Neuen Kunsthaus Ahrenshoop zu sehen,.
Gudrun von Maltzan: Ahrenshoop – Weide (2011), Bleistift, ca. 149 x 40 cm
Aktuelle Arbeiten der „artiste in residence 2010“ Cornelia Schleime zeigte das Neue Kunsthaus im September und Oktober in der Ausstellung „Halb unter Wasser“.
 Cornelia Schleime: Selbstinszenierung im Meer vor Ahrenshoop (2010)
Werke Gerhard Altenbourgs und Michael Morgners für das Sprengel Museum erworben
2011 erwarb die FAMAKunststiftung für den Sammlungsbereich Handzeichnungen des Sprengelmuseums eine bedeutende Arbeit Gerhard Altenbourgs und ein repräsentatives Konvolut an Werken Michael Morgners. Der 1942 in Chemnitz geborene Morgner studierte 1961-66 an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. Er war Gründungsmitglied und „Frontmann“ der von 1977 bis 1982 existierenden Karl-Marx-Städter Künstlergruppe CLARA MOSCH, die durch spektakuläre Ausstellungen und Aktionen in der als Produzentengalerie gegründeten „Galerie Oben“ auf sich aufmerksam machte und die das Ministerium für Staatssicherheit der DDR observierte und unterwanderte. Die von Morgner wahrgenommene existenzielle Verbindung von Mensch und Natur in den Landschaften des Erzgebirges und an der Ostsee führte über die „Angstfigur“ zu Bildformeln von christlicher Anmutung. „Ecce Homo“, Golgatha, Totentanz und Requiem sind Hauptthemen seines Schaffens, das sich in der Druckgrafik und einer die Elemente der Grafik mittels Collage und Décollage aufnehmenden, aktionistischen Malerei entfaltete. Morgner ist seit 1992 Mitglied der Sächsischen Akademie der Künste und der freien Akademie der Künste Leipzig.
 Michael Morgner: Steilufer Rerik (1972), Feder, Tusche, 36 x 48 cm
FAMAKunststiftung fördert Forschungsarbeit an den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden
Die FAMAKunststiftung leistet 2011 einen Beitrag zur nachhaltigen Erforschung der Bestände flämischer Malerei der Gemäldegalerie Alte Meister. Der Beitrag schafft eine der Voraussetzungen, um den wissenschaftlichen Bestandskatalog dieses Sammlungsteiles in Angriff nehmen zu können. Erste Ergebnisse werden Ende des Jahres zu erwarten sein.
Händel-Festspiele Göttingen - die Bildende Kunst im Zeitalter des Barock
Auch in diesem Jahr engagiert sich die FAMAKunststiftung wieder für das die Händel-Festspiele, Göttingen begleitenden Programmes: Die Bildende Kunst im Zeitalter des Barock. Nähere Informationen hierzu unter www.haendel-festspiele.de.
Schwerpunktprojekt Kunstmuseum Ahrenshoop kommt weiter voran
Das in Ahrenshoop entstehende Kunstmuseum nähert sich der baulichen Realisierung. Am 3.September 2011 erfolgte der erste Spatenstich zu dem Preisträgerentwurfvon Staab Architekten, Berlin. Es wird mit einer Bauzeit von zwei Jahren gerechnet. Die FAMAKunststiftung hat den Aufbau der Sammlung um weitere bedeutende Erwerbungen vorangebracht. Dazu gehören als Höhepunkte ein frühes Ahrenshooper Gemälde Alfred Partikels, ein Hiddensee-Bild Gottfried Brockmanns aus der Zeit des 2. Weltkrieges, ein spätes Werk Karl Hofers sowie mehrere auf das Erlebnis der Ostsee bezogene Arbeiten der Dresdener Maler Edmund Kesting, Hermann Glöckner und Albert Wigand aus den 1950er und 60er Jahren. Näher Informationen zum Kunstmuseum Ahrenshoop unter www.kunstmuseum-ahrenshoop.de.
 Alfred Partikel, Gottfried Brockmann, Am Sonntagmorgen (um 1921) Strand von Neuendorf, Hiddensee (1940)
 Karl Hofer, Hermann Glöckner, Paar am Strand (1953) Nächtlicher Strandspaziergang (um 1952)
Gudrun von Maltzan als „artist in residence“ 2011 in das Künstlerhaus Lukas berufen
Als vierter Ehrengast des 2008 eingerichteten Programms „Art residence Ahrenshoop“ der Stiftung Kunstmuseum Ahrenshoop, der FAMAKunststiftung und des Künstlerhauses Lukas wurde für 2011 Gudrun von Maltzan berufen. Die in Paris lebende Künstlerin wurde 1941 auf Schloss Grubenhagen in Mecklenburg geboren. Die Heimat verließ sie als Kind, studierte in München, kam international herum und ist seit 1999 wieder regelmäßig in Mecklenburg unterwegs. Zeichnend nähert sie sich hier dem Stoff ihrer frühen Erinnerungen und findet ihn im Habitus der Landschaft mit ihren mannigfaltigen Gewächsen. Sie arbeitet im Freien, mit der Papierrolle im Gepäck, und entwickelt ihre Zeichnungen „von der Rolle“ panoramaartig in die Breite oder Höhe. Der Aufenthalt im Künstlerhaus Lukas wird ihr ermöglichen, die Landschaft auf dem Fischland/Darß in ihre Studien einzubeziehen.
 Gudrun von Maltzan: Hallalit (2002)
Zeichnungen von Manfred Böttcher und Hanns Schimansky für das Sprengel Museum Hannover erworben
Im Jahr 2010 wurde die Sammlung der Zeichnungen im Sprengel Museum Hannover, die mithilfe der FAMAKunststiftung mit Arbeiten deutscher Künstler aus den östlichen Bundesländern ergänzt wird, um zwei weitere Konvolute bereichert. Erworben wurden Zeichnungen und farbige Arbeiten auf Papier der Berliner Künstler Manfred Böttcher und Hanns Schimansky. Manfred Böttcher (1933-2001) war mit Harald Metzkes und Ernst Schroeder einer der bedeutendsten Vertreter der „schwarzen Periode“ Ostberliner Malerei der 1950er Jahre und der aus ihr hervorgegangenen, im Folgenden mehr an Cézanne orientierten neuen Berliner „Schule“. Hanns Schimansky (*1949) hat sich, gefördert durch Gerhard Kettner in Dresden, als Zeichner autodidaktisch entwickelt und ist heute ein international gefragter Künstler. Seit 1997 ist er Mitglied der Akademie der Künste Berlin, seit 1998 Professor an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Schimanskys erstaunlicher Zeichenkunst eignet eine„im Schaffen generierte Verflechtung von Rationalisierbarem und Poetischem“ (Franz-W. Kaiser).
Programm „Art residence Ahrenshoop“: Ehrengast Cornelia Schleime zeigte Werke zum Tag der offenen Tür im Künstlerhaus Lukas am 30. Oktober
Nach Jürgen Brodwolf und Dieter Goltzsche wurde im Jahr 2010 Cornelia Schleime als dritter Ehrengast des 2008 eingerichteten Programms „Art residence Ahrenshoop“ der Stiftung Kunstmuseum Ahrenshoop, der FAMAKunststiftung und des Künstlerhauses Lukas berufen.
1953 in Ostberlin geboren, studierte Cornelia Schleime von 1975 bis 1980 Grafik und Malerei an der Hochschule für Bildende Künste Dresden. Sie gehörte zum Künstlerkreis um A. R. Penck, Ralf Kerbach, Hans Scheib, Reinhard Stangl, Helge Leiberg und andere, der durch innovatives, nicht staatskonformes Arbeiten und Auftreten in den Fokus der Staatssicherheit geriet. Neben Grafik und Malerei entstanden experimentelle Selbstinszenierungen, Filme, Aktionen, Installationen und literarische Texte. Sie wirkte an der Künstlerzeitschrift „und“ und in der Punk-Band “Π√Zwitschermaschine“ mit. Nachdem ihr 1981 ein Ausstellungs- und Auftrittsverbot. erteilt worden war, siedelte Cornelia Schleime 1984 nach West-Berlin über. Im Zusammenhang mit ihrer Ausbürgerung ging ihr gesamtes im Dresdener Atelier zurückgelassenes Oeuvre verloren.
Cornelia Schleime ist heute eine international geachtete und erfolgreiche Künstlerin. Ihre Arbeitsweise ist vielseitig und experimentell geblieben: So wurde sie mit ihrem Roman „Weit fort“ 2007 auch als Schriftstellerin bekannt. Unter dem Titel „In der Liebe und in der Kunst weiß ich genau, was ich nicht will“ erschien unlängst im Kerber-Verlag eine umfangreiche autobiografische Collage mit Bildern und Texten seit ihrer Dresdener Zeit. Ihr Werk steht für mentale Beunruhigung, kraftvolle Sinnlichkeit und handwerkliche Brillanz. Aggressivität und Melancholie gehen in ihre Malerei ein, werden dort eindringlich sprechende Farbe, Form, Bildhaut und Szene.
Im Jahr 2000 wurde Cornelia Schleime in die Sächsische Akademie der Künste, Dresden berufen. Sie erhielt wichtige Stipendien und Preise und ist national wie international in zahlreichen Ausstellungen namhafter Veranstalter vertreten.
Am Tag der offenen Tür im Künstlerhaus Lukas am 30. Oktober ab 15 Uhr öffnete Cornelia Schleime ihr dortiges Atelier und gab Einblick in ihre neuesten, in Ahrenshoop entstandenen Arbeiten.  Abb. links: Liebeslohn, 2007, Acryl, Schellack, Asphaltlack auf Leinen, 180 x 160 cm Abb. rechts: o. T., 2009, Aquarell, Tusche auf Bütten, 56,5 x 76,5 cm
Wissenschaftliche Publikation gefördert
Zum Spektrum der 2010 von der FAMAKunststiftung geförderten Projekte gehört das am Institut für Kunst- und Bildgeschichte der Humboldt-Universität Berlin und am Kunstgeschichtlichen Seminar der Universität Göttingen entwickelte Publikationsvorhaben „Künstler und der Tod. Testamente europäischer Künstler vom Spätmittelalter bis zum 20. Jahrhundert“. Es handelt sich um die Ergebnisse einer wissenschaftlichen Tagung, die 2007 als 6. Teil einer interdisziplinären Reihe zum Thema „Sterben, Tod und Jenseitsglaube“ in der Schwaben-Akademie im Kloster Isensee stattfand. Eine vergleichbare Publikation zu diesem innovativen Gebiet der Künstlerselbstzeugnisforschung existiert bisher nicht. Lesen Sie weiter unten Näheres zum Inhalt des Bandes.
 Abbildung: Giulio Clovio (1498-1578); Farnese Stundenbuch (1546), New York; Pierpont Morgan Library, Ms. M. 69, Fol. 79v. Copyright: ADEVA Akademische Druck- und Verlagsanstalt, Graz
Nicole Hegener / Kerstin Schwedes (Hg.) Künstler und der Tod Testamente europäischer Künstler vom Spätmittelalter bis zum 20. Jahrhundert
Königshausen & Neumann Würzburg, erscheint im Herbst 2010.
Juristen und Historiker, auch Theologen und Sozialwissenschaftler haben Testamente längst als wertvolle Quellen der Rechts- und Wirtschaftsgeschichte erkannt und ausgewertet. Künstlertestamente dagegen wurden von der Kunst- und Kulturgeschichtsforschung bisher nicht als Quellentypus „entdeckt“ und in größerem synthetischem Zusammenhang untersucht. In diese virulente Forschungslücke stößt der Sammelband mit 16 Beiträgen zu ausgewählten Testamenten europäischer Künstler vom ausgehenden Mittelalter bis zum 20. Jahrhundert. Die Analyse dieser Künstlertestamente bietet überraschend neue und intime Einblicke in die professionelle und private Welt der Künstler. Das Streben, sich ewigen Nachruhm zu sichern und sich sichtbar und auf nachhaltige Weise in der Welt zu verankern, spiegelt sich in ihnen: Es werden nicht nur regelmäßige Feiern von Totenmessen festgelegt, Werkzeuge und Ateliers vermacht, Hab und Gut auf Familienangehörige, Auftraggeber, Schüler und Freunde verteilt, sondern auch konkrete Bedingungen für den Erhalt von Künstlerhäusern, die Errichtung des eigenen Grabmals und die Einrichtung von Stiftungen gestellt. Als letzte Verfügungen geben Testamente, Kodizille und Inventare meist nicht nur Aufschluss über die Besitzverhältnisse der Künstler und ihrer Vorsorge für die Hinterbliebenen, sondern auch über ihr Verständnis von Seelenheil und sozialem Status. Neben formalen und inhaltlichen Konstanten finden sich große Unterschiede, die sowohl in der jeweiligen Künstlerpersönlichkeit begründet sind als auch auf dem kulturellen und nationalen Umfeld sowie der Epoche beruhen. Deutlich zeichnet sich über die Jahrhunderte ein tiefgreifender Wandel von Memorialkonzepten und Formen des Künstlerselbstverständnisses bzw. der Künstlerrepräsentation ab. Kunstwerke aus Privatbesitz von Künstlern sind oft in alle Weltteile verstreut, ihre Häuser und Werkstätten verloren oder bisher nicht lokalisiert. Die zu einem großen Teil erstmals publizierten und interpretierten Künstlertestamente sind oft von unschätzbarem Wert, eröffnen sie doch Möglichkeiten zur Rekonstruktion von Künstlernachlässen und Auffindung bekannter und unbekannter oder verschollen geglaubter Werke. Einer Einführung in das Thema und Darlegung des Forschungsstandes schließen sich drei Sektionen an: Spätmittelalter und Renaissance, Barockzeit sowie das 19. und 20. Jahrhundert. Den Auftakt bilden zwei italienische Künstler des 15. Jahrhunderts, ihnen folgen der Miniaturist und Farnese-Protégé Giulio Clovio, der „kleine Michelangelo“, sowie Jacopo Tintoretto und seine Familienangehörigen. Ein Bogen vom 16. bis zum 20. Jahrhundert wird mit den Testamenten mehrerer nordalpiner, v.a. deutscher Künstler geschlagen: Fokussiert werden der Maler Albrecht Altdorfer, der Maler und Zeichner Marten van Heemskerck sowie der Maler- und Sammlerfürst Peter Paul Rubens, der Maler und Kunsttheoretiker Joachim von Sandrart, der Marées-Schülers Karl von Pidoll, der Maler und Architekt Karl Friedrich Schinkel und schließlich die Bildhauer Max Klinger, Georg Kolbe und Georg Wrba. Mit dem Band wird die Basis für ein neues Forschungsfeld gelegt, denn die Geschichte des Künstlertestaments ist noch zu schreiben.
Der von Dr. Nicole Hegener (Institut für Kunst- und Bildgeschichte der Humboldt-Universität zu Berlin) und Dr. Kerstin Schwedes (Georg-Eckert Institut für Internationale Schulbuchforschung Braunschweig/ Kunstgeschichtliches Seminar der Universität Göttingen) kuratierte Band wird im Herbst 2010 bei Königshausen & Neumann in Würzburg erscheinen.
„Elementarkräfte“ - Werke psychiatrie-erfahrener Künstler aus 100 Jahren in der Städtischen Galerie KUBUS Hannover vom 25. April bis 30. Mai 2010
Drei private Initiatoren - Prof. Dr. Andreas Spengler, Wunstorf, Lothar Schlieckau, Hannover und Prof. Dr. Siegfried Neuenhausen, Hannover - haben mit dem Kulturbüro der Landeshauptstadt gemeinsam mit der Region Hannover und dem Bündnis gegen Depression diese Ausstellung mit Werken psychiatrie-erfahrener Künstler aus 100 Jahren konzipiert und organisiert. Im Zentrum der anspruchsvollen Schau steht die künstlerische Dimension der Arbeiten: Es geht um einen Dialog moderner Psychiatrie und Kunstwissenschaft, begleitend zur Ausstellung in einem Symposium und weiteren Sonderveranstaltungen mit hochkarätigen Referenten. In die Werkschau einbezogen ist historisches Material u. a. aus der bedeutenden Prinzhorn-Sammlung in Verbindung mit zeitgenössischen Werken, so der Hamburger „Schlumper“. Kurator der Ausstellung ist Rolf Laute. Das Projekt wird gefördert durch die Klosterkammer Hannover und die FAMAKunststiftung. Weiterführende Informationen ab April unter www.elementarkraefte.de .  Ringa Spingies, o.T. [mit Vogelkäfig], 1985 © Freunde der Schlumper e.V.
Internationale Händel-Festspiele Göttingen 2010
„Händel & Hannover“ heißt das Thema der diesjährigen Internationalen Händel-Festspiele Göttingen. Die FAMAKunststiftung fördert als Bestandteil des Festspielprogramms ein erstklassiges Veranstaltungsangebot zur Bildenden Kunst im Zeitalter des Barock. Nähere Informationen zu den Internationalen Händel-Festspielen 2010 finden Sie unter www. haendel-festspiele.de.
 Förderlogo der Internationale Händel-Festspiele Göttingen 2010
Arbeit Jürgen Brodwolfs für das Kunstmuseum Ahrenshoop erworben
Der 1932 in der Schweiz geborene, im süddeutschen Kandern lebende Bildhauer, Zeichner, Buch- und Installationskünstler Jürgen Brodwolf weilte im Sommer 2008 auf gemeinsame Einladung der FAMAKunststiftung, der Stiftung Kunstmuseum Ahrenshoop und des Künstlerhaus Ahrenshoop e. V. als Ehrengast des Programms „art residence ahrenshoop“ im Künstlerhaus Lukas. Eine Ausstellung im Kunstkaten Ahrenshoop schloss im Spätherbst 2009 an diesen Aufenthalt an. Aus dem dort gezeigten Zyklus „Die Flut“ erwarb nun die FAMAKunststiftung eine der Skulpturen für die Sammlung des Kunstmuseums Ahrenshoop. Die Vorgeschichte dieser Arbeit wurzelt in der älteren Praxis Brodwolfs, teilweise lebensgroße Figuren aus Pappmaché und Gaze in reale landschaftliche und architektonische Räume einzubringen. Gerne wählt Brodwolf dafür einsame Felslandschaften und geschichtsträchtige Gemäuer, wo die unfarbige, mumienartige Aura seiner Figuren sich nahtlos einfügt. Erst vor wenigen Jahren begann er, ähnliche Szenarien auch im kleinen Format zu formen. Diese Objekte aus Papiermasse und textilem Material sind sehr fragil und werden jeweils mit mehreren Schichten Wachs überzogen, ehe der Künstler sie in Bronze oder Eisen, meistens als Unikate, gießen lässt. Am Herstellungsprozess sind Brodwolf die spontanen Farb- und Formbildungen wichtig, wie sie beim Aufwerfen, Fließen und Oxidieren der Materialien entstehen. Sie erzeugen eine atmosphärische Naturnähe, ein äußerst lebendiges Bild. Man denkt an Urlandschaften, an das Nackte der Welt nach den großen Flutkatastrophen ihrer Geschichte.
 Jürgen Brodwolf, Cato – Die Flut
„Artist in Residence“ 2008 zeigt Ahrenshooper Arbeiten
Im Sommer 2008 weilte Jürgen Brodwolf (Jahrgang 1932), einer der bedeutendsten Künstlern seiner Generation im süddeutschen Raum, auf Einladung der FAMAKunststiftung und der Stiftung Kunstmuseum Ahrenshoop als „artist in residence“ im Künstlerhaus Lukas. Daran anknüpfend zeigt der Kunstkaten Ahrenshoop vom 18.10.2009 bis 3.1.2010 jüngste Arbeiten des Künstlers. Sie kreisen um das Leben und der Persönlichkeit Cato Bontjes van Beeks, die, aus einer bedeutenden Fischerhuder Künstlerfamilie stammend, als Mitglied der antifaschistischen Widerstandsgruppe um Harro Schulze-Boysen 1943 hingerichtet worden war. Nachdem er bei einem früheren Besuch in Fischerhude auf Cato Bontjes van Beek gestoßen war, nahm Brodwolf das Thema mit nach Ahrenshoop, um in der sommerlich belebten und schöpferischen Atmosphäre des Künstlerortes dem Wesen und der Aura der Ermordeten nachzugehen. Noch am Ort schuf er eine eindrucksvolle Reihe neuer Buchobjekte und Arbeiten auf Papier. Stark wirkte das Erlebnis der lichtdurchfluteten Landschaft auf den Charakter der Arbeiten ein. Die Ahrenshooper und weitere Bücher des Cato-Zyklus fasste Brodwolf zu einem „Lesezimmer“ zusammen. Dem Zyklus beigesellt ist eine Gruppe Skulpturen mit dem Titel „Die Flut“: Sie verweisen auf das Sintflut-Motiv und die damit verbundene Vorstellung einer Katharsis.

„Vision“ (Blatt 18 des Zyklus „Cato lebt weiter“)
Art residence Ahrenshoop 2009
Im Rahmen des 2008 eingerichteten Programms „Art residence Ahrenshoop“ beruft die FAMAKunststiftung gemeinsam mit der Stiftung Kunstmuseum Ahrenshoop und dem Künstlerhaus Lukas in jedem Jahr eine Künstlerpersönlichkeit zu einem mehrmonatigen Arbeitsaufenthalt nach Ahrenshoop. Die Berufung würdigt ein überregional herausragendes bildkünstlerisches Werk. In diesem Jahr kommt mit Dieter Goltzsche (* 1934) einer der großen deutschen Zeichner der Gegenwart in den Genuss der Einladung. Sein umfangreiches Schaffen zeichnet sich durch Poesie und überraschende, scharfsinnig pointierte Zugriffe auf Empfundenes und Gesehenes, oft aus nächster Umgebung, aus. Seit den 1950er Jahren inspirierten ihn Landschaften und Begegnungen an der Ostsee, sodass sein aktueller Aufenthalt in Ahrenshoop an vergangene anknüpft. Professor Dieter Goltzsche ist Mitglied der Akademie der Künste, Berlin und Träger mehrerer Kunstpreise, so des Käthe-Kollwitz-Preises und des Hannah-Höch-Preises der Stadt Berlin.

Künstlerhaus Lukas, Ahrenshoop
Porzellan-Restaurierung in Neubrandenburg
Die aus 88 Stücken bestehende, wertvolle Porzellansammlung der früheren Städtischen Kunstsammlung Neubrandenburg fiel dem Brand des Gebäudes 1945 zum Opfer und wurde bei Grabungen auf dem Marktplatz von Neubrandenburg 2006 wieder aufgefunden. Mit Hilfe vieler kleinerer Beiträge soll die Restaurierung in einem Zeitraum von fünf Jahren erreicht werden. Die FAMAKunststiftung unterstützt in diesem Jahr die Restaurierung der Figur „Windspiel“ v. Johann Joachim Kaendler (Meißen 1766).

Johann Joachim Kaendler: Windspiel (Ausschnitt, 1766), Meißner Porzellan. Kunstsammlung Neubrandenburg
Filmproduktion zu Hans Kinder
Die Dresdener Filmemacherin Heide Blum, u. a. Autorin des Dokumentarfilms über Elfriede Lohse-Wächtler, die 1940 dem Euthanasieprogramm der Nationalsozialisten zum Opfer gefallene, sächsische Malerin, sammelt seit vielen Jahren in Dresden und Ahrenshoop Material über den Maler Hans Kinder (1900-1986). Kinder gehört zu den eigenwilligsten Persönlichkeiten der Dresdener Kunst. Sein Werk wuchs weitgehend im Verborgenen, im Widerstand gegen die restriktive Kunstpolitik zweier Diktaturen. Die FAMAKunststiftung fördert die nun angelaufene Produktion des Filmes von Heide Blum mit Original-Tonaufnahmen Kinders und Berichten wichtiger Zeitzeugen. Im Dezember 2009 soll der Film in der Infobox des Kunstmuseums Ahrenshoop Premiere haben.


Hans Kinder: Schmeichelnde Katze (1970 er Jahre), Mischtechnik, Öl, Kreide auf Papier. Stiftung Kunstmuseum Ahrenshoop
Publikation des Werkverzeichnisses von Gerhard Altenbourg
Das Lindenau-Museum Altenburg gibt im Wienand Verlag Köln in diesem Jahr den dritten Band des Werkverzeichnisses von Gerhard Altenbourg heraus. Der von Gudrun Schmidt bearbeitete Band wird mit dem Spätwerk der Jahre 1977 bis 1989 einen erheblichen Teil des Oeuvres umfassen. Mit einem Förderbeitrag beteiligt sich die FAMAKunststiftung an der Finanzierung dieser groß angelegten kunstwissenschaftlichen Publikation.
„Born in the U.S.S.R.“ – Ausstellung russischer Künstler im Auswärtigen Amt, Berlin
Im Mai dieses Jahres gehörte die FAMAKunststiftung zu den Förderern der Ausstellung „Born in the U.S.S.R.“ mit exemplarischen Positionen russischer Künstler, die in der UdSSR geboren sind und in Deutschland leben. In ihren Arbeiten, für drei Wochen im Auswärtigen Amt in Berlin zu sehen, kommt der kulturelle Perspektivwechsel dieser Künstler zum Ausdruck. Träger des Projekts ist der Deutsch-Russische Club (I.D.R.C.) e.V. mit Sitz in Berlin. Eine Fortsetzung findet 2010 in Moskau statt.
FAMAKunststiftung im Sprengel Museum Hannover
Mit dem Erwerb eines repräsentativen Konvoluts Handzeichnungen Gerhard Kettners und Dieter Goltzsches setzten die FAMAKunststiftung und das Sprengel Museum Hannover im Jahr 2008 den Aufbau des gemeinsam konzipierten, neuen Segments der Sammlung fort. Gerhard Kettner (1928-1993) und Dieter Goltzsche (*1934) waren eng mit Dresden verbunden. Sie studierten das zeichnerische Fach an der dortigen Hochschule für bildende Künste und wirkten seit den 1970er Jahren prägend: Kettner in Dresden, Goltzsche in Berlin. Unter den deutschen Zeichnern des 20. Jahrhunderts zählen sie zu den Großen.

Abbildung links Dieter Goltzsche: o. T. (2002), Aquarell, gewalzt. Sprengel Museum Hannover
Abbildung rechts Gerhard Kettner: Der Bildhauer Heinrich Drake (1988), Graphit. Sprengel Museum Hannover
Wertvolle Blätter aus grafischer Sammlung Dresdens restauriert
Im Jahr 2008 förderte die FAMAKunststiftung die Restaurierung eines Teils der wertvollsten Blätter aus dem topografischen Konvolut der Grafiksammlung der Städtischen Galerie Dresden. Die 25.000 Einzelblätter umfassende Sammlung gehört zum Kunstbestand der Stadt Dresden, der seit 2002 durch die Städtische Galerie gepflegt, ausgestellt und wissenschaftlich bearbeitet wird. Da das topografische Konvolut zu wissenschaftlichen Zwecken häufig angesehen wird, ist hier der Restaurierungsbedarf besonders dringlich. Die Blätter von Adrian Zingg und Ernst Erwin Oehme gehören darunter zu den schönsten.
 Durch Klicken auf die Bilder erhalten Sie größere Ansichten.
Abbildung links Adrian Zingg: Blick auf die Briesnitz an der Elbe (um 1770). Radierung, mit Sepia laviert. Städtische Galerie Dresden
Abbildung rechts Ernst Erwin Oehme: Der Brand des Hoftheaters in Dresden (1869). Pinsel in Sepia und Deckweiß auf braunem Tonpapier. Städtische Galerie Dresden
Fotos: Franz Zadnicek
FAMAKunststiftung fördert Forschungsprojekt zu spätgotischer Malerfamilie
Im Jahr 2008 fördert die FAMAKunststiftung ein wissenschaftliches Forschungsprojekt an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main. Unter der Betreuung von Prof. Jochen Sander (Kunstgeschichtliches Institut der Goethe-Universität und Städel Museum) arbeitet Verena Pertschy, M. A., an ihrer Doktorarbeit zu den drei altdeutschen Malern Rueland Frueauf dem Älteren, dessen gleichnamigem Sohn und dem in der Frueauf-Werkstatt tätigen Meister von Großgmain. In Kooperation mit Prof. Manfred Schreiner, Leiter des Instituts für Naturwissenschaften und Technologie in der Kunst an der Akademie der Bildenden Künste Wien, wurden in Wien und Klosterneuburg befindliche Hauptwerke dieser Künstler erstmals mittels Röntgen- und Infrarotaufnahmen nach neuesten technischen Methoden untersucht.
Die Tafelgemälde aus der Frueauf-Werkstatt sind bedeutende Zeugnisse der Spätgotik und des um 1500 beginnenden Donaustils. Das länderübergreifende Projekt lässt neue Erkenntnisse zur Genese der Bilder, ihrer ursprünglichen Funktion, zur Maltechnik wie auch zur späteren Nutzungs- und Restaurierungsgeschichte erwarten. Der kunsthistorische Ertrag der Arbeit ist ein ungewöhnlich geschlossenes Bild dieser bisher kaum erforschten Künstlerfamilie des späten Mittelalters. Durch das interdisziplinäre Herangehen werden Ergebnisse möglich, die für Kunstgeschichte, Gemäldetechnologie, Restaurierungs- und Konservierungswissenschaften gleichermaßen wichtig sind. Sie sollen im Rahmen der wissenschaftlichen Publikation und durch Ausstellungen veröffentlicht werden.

Abbildung links: Rueland Frueauf der Jüngere: Predigt Johannes des Täufers, Tafel des ehemaligen Johannesaltars, um 1500, 74 x 43 cm, Stiftsmuseum Klosterneuburg
Abbildung rechts: Rueland Frueauf der Jüngere: Auszug des Markgrafen Leopold III. und seiner Gemahlin Agnes zur Jagd, Tafel des ehemaligen Leopoldaltars, um 1505, 79 x 39 cm, Stiftsmuseum Klosterneuburg
© ]a[ NTK 2008 Univ.Prof. DI Dr. M. Schreiner
Expressionistisches Gemälde für Kunstmuseum Ahrenshoop erworben Ein frühes expressionistisches Gemälde Cesar Kleins (1876-1954) aus der Zeit um 1910 erwarb die FAMAKunststiftung zugunsten des im Aufbau befindlichen Kunstmuseums Ahrenshoop. Das herausragende Werk, ein "Liegender Akt", entstand wahrscheinlich im Anschluss an die bedeutende Serie der Ahrenshoop-Bilder Cesar Kleins, dem Ertrag seines künstlerisch so fruchtbaren Aufenthaltes in dieser Küstenregion im Jahr 1909. Das streng komponierte, in dichten Pinselzügen gleichwohl locker durchgemalte Bild verrät die Affinität Kleins zu den damals hoch aktuellen Bildkonzepten Cezannes und Van Goghs. In seiner kräftig polarisierenden Farbgebung verweist es zugleich auf Arbeiten der mit ihm befreundeten Brücke-Künstler. Von der arrivierten Berliner Sezession ausgeschlossen, gründete Cesar Klein 1910 mit Nolde, Heckel, Kirchner, Pechstein und anderen die "Neue Berliner Sezession", die in Herwarth Waldens Galerie und programmatischer Zeitschrift "Der Sturm" ihren wichtigsten Multiplikator fand. Der auch im angewandten Bereich wegweisend tätige Cesar Klein war einer der führenden Künstler dieses Umfeldes. Wie Marianne Werefkin und Alexej von Jawlensky gehörte er zu jenen Expressionisten, deren malerisches Werk durch den Aufenthalt in der Landschaft um Ahrenshoop wichtige Impulse erhielt.
 Cesar Klein: Liegender weiblicher Akt (um 1910) Öl auf Leinwand, 46,0 x 57,0 cm
FAMAKunststiftung im Sprengel Museum Hannover
Mit dem Sprengel Museum Hannover arbeitet die FAMAKunststiftung seit 2007 im Rahmen eines Projektes zur Erweiterung des Sammlungsbestandes Grafik/Handzeichnungen aus Mitteln der Stiftung zusammen. Ziel der Sammlungserweiterung ist ein repräsentativer Querschnitt herausragenden grafischen Schaffens in beiden deutschen Teilstaaten nach 1945. Ein besonderes Augenmerk gilt hierbei Künstlerinnen und Künstlern, deren Werk bis in die 80er Jahre unter teilweise schwierigen Bedingungen gereift und im wiedervereinigten Deutschland noch wenig öffentlich ist sowie der nach 1989 auf sie folgenden Generation.

Abbildung links: Joachim John: Schau mal, ob sie schon kommen - Die Berliner Mauer! (aus der Folge zur französischen Revolution, 1988/89) Feder/Tusche, Aquarell; 36,6 x 29,5 cm Abbildung rechts: Walter Libuda: Der Turm II, 1987 Tusche, Feder, Pinsel, Gouache, Farbstift, Kreide auf Papier, 64,9 x 50,0 cm
'Art residence Ahrenshoop' Als Baustein einer engen Zusammenarbeit zwischen der im Aufbau befindlichen Stiftung Kunstmuseum Ahrenshoop, dem Künstlerhaus Lukas und der FAMAKunststiftung beruft die Stiftung im Rahmen des Programms 'Art residence Ahrenshoop' international profilierte Künstler zu einem jeweils mehrmonatigen Aufenthalt in das traditionsreiche Künstlerhaus Lukas. Der als Gründer der Künstlerkolonie Ahrenshoop geltende Paul Müller-Kaempff eröffnete in dem von ihm errichteten Gebäude schon 1895 die Malschule St. Lukas. Heute ist das neu hergerichtete Haus ein Ort interdisziplinären Austausches aktueller Strömungen der zeitgenössischen Künste in der neben Worpswede wohl bedeutendsten Künstlerkolonie Deutschlands. Dabei zeigt sich, dass die reizvolle Landschaft zwischen Meer und Bodden ein nicht zu erschöpfendes Reservoir an Anregungen bietet. Seit 1994 werden im Künstlerhaus Lukas Stipendien an vorwiegend junge bildende Künstler, Schriftsteller, Komponisten und Choreographen internationaler Herkunft vergeben. Die Stipendienvergabe erfolgt über ein Bewerbungsverfahren und ist mit einem ein- bis dreimonatigen Aufenthalt verbunden. Mit dem Programm 'Art residence Ahrenshoop' beruft die FAMAKunststiftung ab dem Jahr 2008 alljährlich außerhalb dieses Modus' einen bildenden Künstler an das Künstlerhaus Lukas mit dem Ziel, die produktive Atmosphäre am Ort um eine besonders prägnante und gewichtige Position des zeitgenössischen Kunstgeschehens zu bereichern. Die erste Berufung als 'Artist in residence' ist zum Sommer 2008 an den im süddeutschen Kandern lebenden Schweizer Bildhauer, Grafiker, Buch- und Installationskünstler Jürgen Brodwolf ergangen. Leipziger Museum erwarb brisantes Werk Wolfgang Peukers aus Mitteln der FAMAKunststiftung
Das Museum der bildenden Künstle Leipzig hat aus Mitteln der FAMAKunststiftung den Entwurf des Leipziger Malers Wolfgang Peuker (1945-2001) für den Unterboden des Konzertsaales im Neuen Gewandhauses zu Leipzig aus dem Jahr 1979 erworben. Diese Auftragsarbeit, die Peuker ursprünglich gemeinsam mit dem Heisig-Schüler und späteren Leipziger Hochschulprofessor Sighard Gille ausführen sollte bevor sie Gille allein übertragen wurde, nimmt unter den Kunstwerken der 1980er Jahre im öffentlichen Raum der sächsischen Metropole eine herausragende Position ein. Das monumentale Deckengemälde schließt das Foyer des Gewandhauses schräge ab und ist durch die Glasfront der Eingangsseite des Gebäudes auch von außen her weithin sichtbar.

Wolfgang Peuker: Entwurf zu Bemalung des Unterbodens des Konzertsaales im Neuen Gewandhaus zu Leipzig, 1979, Öl auf Hartfaser, 125,5 x 218/144,5 cm Museum der bildenden Künste Leipzig; Foto: PUNCTUM/Bertram Kober
Wolfgang Peuker, ein Hauptexponent der damaligen „Leipziger Schule“, hatte seit den 1970er Jahren mit nachdenklichen Bildern auf die sich zuspitzende Krise des Zusammenlebens in der geschlossenen Gesellschaft der DDR reagiert. Die Arbeit am Auftrag für das Neue Gewandhaus war für den Künstler eine entscheidende Kraftprobe. Sie führte, trotz äußerlichen Scheiterns, zu einer vertieften, existenziellen Qualität seiner Malerei. Nach einem Vergleich der Entwürfe beider Künstler wurde der Doppelauftrag für das Deckengemälde und die angrenzenden Wandbereiche des Foyers für Wolfgang Peuker auf den untergeordneten Teil des Gesamtwerkes reduziert – er entwickelte ihn in zweijähriger Arbeit zu dem vielfigurigen Fries „Zu Gustav Mahlers Lied von der Erde“. Dieses eindringliche, von den „schwarzen“ Bildern Goyas inspirierte und nie fertig gestellte Werk besaß eine unbequeme Ausstrahlung. Wenngleich nicht gesichert ist, dass politische Gründe zu dem erzwungenen vorzeitigen Abbruch der Arbeit und zu ihrer Zerstörung führten, waren die Umstände, unter denen Peuker erst die Ausführung des Deckengemäldes, dann der ganze Auftrag entzogen wurde, von kulturpolitischer Willkür bestimmt, hinter der sich möglicherweise die Furcht damaliger Entscheidungsträger vor dem im Kunstwerk präsenten melancholischen Lebensgefühl verbarg. Im Rückblick auf diese Ereignisse ist es für das Kunstmuseum der Stadt Leipzig, das über eine repräsentative Peuker-Sammlung verfügt, wünschenswert, noch vorhandene Fragmente des Werkes zusammenzutragen, damit sie einer Rekonstruktion des Verlorenen zur Verfügung stehen. Der nun aus dem Nachlass des Künstlers erworbene Entwurf für den Saalboden ist dafür besonders wichtig. Gemeinsam mit den bereits im Besitz des Museums befindlichen Entwürfen für den zerstörten Fries dokumentiert er Wolfgang Peukers Gesamtidee für die Ausmalung des Neuen Gewandhauses und ist daher bedeutsam innerhalb der Werkgeschichte des Künstlers wie auch der Kunst- und Kulturgeschichte Leipzigs im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts.
Die Neuerwerbung wird anlässlich des „Tages der Schenkungen“ am 7. Oktober derzeit in einer Ausstellung des Museums öffentlich gezeigt.
FAMAKunststiftung fördert Präsentation der Mittelalter-Sammlung im Kestner-Museum
Ab 29. August 2007 präsentiert das Kestner-Museum Hannover die herausragenden Bestände seiner Mittelalter-Sammlung erstmals seit Jahren wieder in größerem Umfang und in einer wissenschaftlich wie didaktisch auf den neuesten Stand gebrachten Zusammenstellung. Die Sammlung ist eine der bedeutendsten ihrer Art in Norddeutschland.
Neben Kleinodien der Textil- und Schatzkunst aus niedersächsischen Kirchen und Frauenklöstern beherbergt sie erstrangige Werke der Buchmalerei, der Glasmalerei, der Elfenbein-, Email-, Goldschmiede- und Münzkunst u. a. aus der Sammlung des Hannoverschen Buchdruckers und Senators Friedrich Culemann und dem ehemaligen Welfenmuseum. Von landesgeschichtlicher Bedeutung ist der „Schatz der Goldenen Tafel“ aus dem St. Michaelis-Kloster zu Lüneburg, seit 1954 als Dauerleihgabe des Niedersächsischen Landesmuseums in der Sammlung: In einer „Idealrekonstruktion“ steht dieser Reliquienschatz im Zentrum der Präsentation. Ein „Textilmodul“, Buchkabinette sowie eine interaktive mittelalterliche Schreibwerkstatt sind weitere Höhepunkte. Die FAMAKunststiftung fördert, neben anderen Partnern in Niedersachsen, das aufwändige Projekt. |